Wissenschaft und Geschlechtergerechtigkeit
Bittte aktivieren Sie JavaScript in Ihrem Browser, um das Video zu sehen
Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg - 19. Wahlperiode - 16. Sitzung am 20. November 2008
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Ich will etwas nachliefern, was Frau Koop ausgelassen hat. Da fehlte ein großer Teil: Der Fortschritt ist eine Schnecke. Niemals war dieser Spruch so angebracht wie jetzt, da wir über dieses Thema sprechen. Das Beharrungsvermögen von Männern in Wissenschaft und Forschung ist phänomenal
(Vizepräsident Wolfhard Ploog übernimmt den Vorsitz.) und, möchte ich anfügen, eigentlich auch die Geduld der Frauen in der CDU. Auf einer Konferenz der Bundesregierung Anfang dieses Jahres wurde von kognitiver Verweigerung gesprochen, anders sei nämlich das konsequente Verleugnen der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern einerseits und das Ignorieren von Zielvorgaben – die gibt es je nach Land bereits seit Jahrzehnten – und das Unterlaufen sämtlicher Frauenfördermaßnahmen andererseits kaum zu erklären.
Die Universitäten in Deutschland – Hamburger Universitäten machen da überhaupt keine Ausnahme – sind Organisationen, bei denen die Rekrutierung hochgradig geschlechtshierarchisch verläuft; das möchte ich hier noch einmal festhalten. Die Weichen hierfür werden bereits in der Promotionsphase gestellt, danach öffnet sich die Schere zwischen Männern und Frauen weit, sehr weit, bis wir von an die 50 Prozent weiblichen Studierenden über 23 Prozent Habilitierte schließlich bei peinlichen 8 bis 9 Prozent C4-Professorinnen angekommen sind. Das ist die Schere, die wir derzeit immer noch haben. Es führt überhaupt kein Weg daran vorbei. An deutschen Universitäten wird nicht nach Qualitätsgesichtspunkten berufen. Es lässt sich gar nicht anders formulieren, wir haben nichts als Quotenmänner in dieser Universität. Nun hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar wenig aber doch etwas zum Positiven verändert. Es könnte also sein, dass es Hamburg nicht wie die meisten deutschen Universitäten erst am Ende dieses Jahrhunderts schafft, eine echte Gleichstellung der Geschlechter in der Forschung zu erreichen, sondern – man höre und staune – bereits in 50 Jahren. Ich sehe hier links vielleicht zwei Damen, die das noch erleben werden. Der Rest von uns wird zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr hier sein.
(Karl-Heinz Warnholz CDU: Was?) – Nicht mehr unter den Lebenden weilen, kann ich auch formulieren. So ist es einfach. Wir erleben das nicht mehr.
Es gibt aber aktuell ein Zeitfenster, das wir nutzen sollten, wenn wir klug sind. In den nächsten Jahren werden nämlich gehäuft Professuren frei, die wir ganz gezielt mit Frauen besetzen sollten. Das wäre die einzig positive Botschaft an die jungen Frauen da draußen, die bis dahin ein bisschen wie bei Kafka zwar an die Türen der Alma Mater klopfen dürfen, aber nur ins Kellergeschoss hineingelassen werden. Im Jahr 2007 lag der Frauenanteil bei den Neuberufungen der Universität Hamburg zwar bei 40 Prozent – und auf den ersten Blick ist das eine wunderbare Zahl –, aber das täuscht, denn wir müssen im Blick behalten, von welcher Basis wir kommen. Der Frauenanteil insgesamt verändert sich dadurch nämlich überhaupt nicht. 2010 wird der Frauenanteil an den Professuren trotzdem nur bei planmäßigen 24,8 Prozent liegen. Das ist wirklich großartig.
(Vizepräsident Wolfhard Ploog übernimmt den Vorsitz.) und, möchte ich anfügen, eigentlich auch die Geduld der Frauen in der CDU. Auf einer Konferenz der Bundesregierung Anfang dieses Jahres wurde von kognitiver Verweigerung gesprochen, anders sei nämlich das konsequente Verleugnen der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern einerseits und das Ignorieren von Zielvorgaben – die gibt es je nach Land bereits seit Jahrzehnten – und das Unterlaufen sämtlicher Frauenfördermaßnahmen andererseits kaum zu erklären.
Die Universitäten in Deutschland – Hamburger Universitäten machen da überhaupt keine Ausnahme – sind Organisationen, bei denen die Rekrutierung hochgradig geschlechtshierarchisch verläuft; das möchte ich hier noch einmal festhalten. Die Weichen hierfür werden bereits in der Promotionsphase gestellt, danach öffnet sich die Schere zwischen Männern und Frauen weit, sehr weit, bis wir von an die 50 Prozent weiblichen Studierenden über 23 Prozent Habilitierte schließlich bei peinlichen 8 bis 9 Prozent C4-Professorinnen angekommen sind. Das ist die Schere, die wir derzeit immer noch haben. Es führt überhaupt kein Weg daran vorbei. An deutschen Universitäten wird nicht nach Qualitätsgesichtspunkten berufen. Es lässt sich gar nicht anders formulieren, wir haben nichts als Quotenmänner in dieser Universität. Nun hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar wenig aber doch etwas zum Positiven verändert. Es könnte also sein, dass es Hamburg nicht wie die meisten deutschen Universitäten erst am Ende dieses Jahrhunderts schafft, eine echte Gleichstellung der Geschlechter in der Forschung zu erreichen, sondern – man höre und staune – bereits in 50 Jahren. Ich sehe hier links vielleicht zwei Damen, die das noch erleben werden. Der Rest von uns wird zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr hier sein.
(Karl-Heinz Warnholz CDU: Was?) – Nicht mehr unter den Lebenden weilen, kann ich auch formulieren. So ist es einfach. Wir erleben das nicht mehr.
Es gibt aber aktuell ein Zeitfenster, das wir nutzen sollten, wenn wir klug sind. In den nächsten Jahren werden nämlich gehäuft Professuren frei, die wir ganz gezielt mit Frauen besetzen sollten. Das wäre die einzig positive Botschaft an die jungen Frauen da draußen, die bis dahin ein bisschen wie bei Kafka zwar an die Türen der Alma Mater klopfen dürfen, aber nur ins Kellergeschoss hineingelassen werden. Im Jahr 2007 lag der Frauenanteil bei den Neuberufungen der Universität Hamburg zwar bei 40 Prozent – und auf den ersten Blick ist das eine wunderbare Zahl –, aber das täuscht, denn wir müssen im Blick behalten, von welcher Basis wir kommen. Der Frauenanteil insgesamt verändert sich dadurch nämlich überhaupt nicht. 2010 wird der Frauenanteil an den Professuren trotzdem nur bei planmäßigen 24,8 Prozent liegen. Das ist wirklich großartig.
Frau Koop, Sie haben sich wirklich viel Mühe damit gemacht, alles, aber auch wirklich alles, abzufragen, was man an der Universität unter dem Aspekt Familie so machen kann.
Ja, es ist ein großer Fortschritt, wenn Wissenschaft und Forschung familien- und kinderfreundlicher werden. Das ist überhaupt keine Frage. Aber klar ist doch auch: In Deutschland allgemein und in den letzten Jahren im Besonderen in dieser Stadt verengt sich die Debatte sehr oft, sehr gern und sehr schnell auf die Kinder- und Familienfrage. Das kann aber nicht alles sein in dieser Beziehung. (Beifall bei der SPD und der LINKEN) Gleichstellungsförderung in Wissenschaft und Forschung lässt sich keineswegs auf die Vereinbarkeitspolitik und auf Double Career-Maßnahmen reduzieren. Es geht auch um Diskriminierung in einem umfassenderen Sinne. Frauen beklagen zum Beispiel eine im Vergleich zu männlichen Kollegen deutlich geringere Rückendeckung durch ihre Betreuenden und Vorgesetzten, der Zugang zu Netzwerken bleibt ihnen versperrt, Vorbilder fehlen. Mentoring-Programme könnten hierbei zum Beispiel helfen, die gibt es ab und zu schon. Ich möchte Sie noch einmal an unsere durchaus engagierte Debatte von letzter Woche, oder wann es war, erinnern, als wir über männliche Personen in Kita und so weiter gesprochen haben. Das Verhältnis an der Universität ist ähnlich katastrophal und das schon von Beginn an, also seit Jahrzehnten. Ich frage mich aber auch ein bisschen, was dieser Alleingang der CDU mit der Großen Anfrage soll. Angesichts der Ankündigung im Koalitionsvertrag hätte ich eher erwartet, dass GAL und CDU gemeinsam konkret werden. Wo ist denn jetzt das hochschulübergreifende Programm, das die Verantwortung der Stadt und der Hochschule für die Nachwuchs- und Frauenförderung aufzeigt? Wo sind denn eigentlich die konkreten Informationen über die verbindlichen Ziel- und Leistungsvereinbarungen zur Frauenförderung nach dem Kaskadenmodell für 2009/2010? Stattdessen kommt die CDU-Fraktion jetzt mit einem Antrag, in dem es eigentlich nur um eines geht, nämlich den zweifellos erfreulichen Erfolg von zwei Hamburger Hochschulen beim Professorinnen-Programm zu feiern. Das ist wunderbar, aber wirklich nicht genug. Das ist angesichts der Lage der Frauen im Hamburger Wissenschaftsbetrieb wirklich entschieden zu wenig.
(Beifall bei der SPD und der LINKEN) Der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft Winnacker hat sich dazu durchgerungen zu sagen, es sei im internationalen Vergleich peinlich, dass nur 13 Prozent aller Professoren Frauen sind und es unter den C4-Professuren nur 8 Prozent sind. Eine solche Ressourcenverschwendung könne sich nicht leisten, wer an die Spitze wolle. Das wollen wir doch aber in Hamburg. Oder haben Sie das nicht mehr vor? Verehrte Kolleginnen und Kollegen von CDU und GAL, wir hoffen sehr, dass von Ihnen noch etwas Konkreteres kommt als in diesem CDU-Antrag. Sie wissen: Für die Quote waren wir von der SPD schon immer und dazu stehen wir natürlich. – Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD und der LINKEN)
Ja, es ist ein großer Fortschritt, wenn Wissenschaft und Forschung familien- und kinderfreundlicher werden. Das ist überhaupt keine Frage. Aber klar ist doch auch: In Deutschland allgemein und in den letzten Jahren im Besonderen in dieser Stadt verengt sich die Debatte sehr oft, sehr gern und sehr schnell auf die Kinder- und Familienfrage. Das kann aber nicht alles sein in dieser Beziehung. (Beifall bei der SPD und der LINKEN) Gleichstellungsförderung in Wissenschaft und Forschung lässt sich keineswegs auf die Vereinbarkeitspolitik und auf Double Career-Maßnahmen reduzieren. Es geht auch um Diskriminierung in einem umfassenderen Sinne. Frauen beklagen zum Beispiel eine im Vergleich zu männlichen Kollegen deutlich geringere Rückendeckung durch ihre Betreuenden und Vorgesetzten, der Zugang zu Netzwerken bleibt ihnen versperrt, Vorbilder fehlen. Mentoring-Programme könnten hierbei zum Beispiel helfen, die gibt es ab und zu schon. Ich möchte Sie noch einmal an unsere durchaus engagierte Debatte von letzter Woche, oder wann es war, erinnern, als wir über männliche Personen in Kita und so weiter gesprochen haben. Das Verhältnis an der Universität ist ähnlich katastrophal und das schon von Beginn an, also seit Jahrzehnten. Ich frage mich aber auch ein bisschen, was dieser Alleingang der CDU mit der Großen Anfrage soll. Angesichts der Ankündigung im Koalitionsvertrag hätte ich eher erwartet, dass GAL und CDU gemeinsam konkret werden. Wo ist denn jetzt das hochschulübergreifende Programm, das die Verantwortung der Stadt und der Hochschule für die Nachwuchs- und Frauenförderung aufzeigt? Wo sind denn eigentlich die konkreten Informationen über die verbindlichen Ziel- und Leistungsvereinbarungen zur Frauenförderung nach dem Kaskadenmodell für 2009/2010? Stattdessen kommt die CDU-Fraktion jetzt mit einem Antrag, in dem es eigentlich nur um eines geht, nämlich den zweifellos erfreulichen Erfolg von zwei Hamburger Hochschulen beim Professorinnen-Programm zu feiern. Das ist wunderbar, aber wirklich nicht genug. Das ist angesichts der Lage der Frauen im Hamburger Wissenschaftsbetrieb wirklich entschieden zu wenig.
(Beifall bei der SPD und der LINKEN) Der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft Winnacker hat sich dazu durchgerungen zu sagen, es sei im internationalen Vergleich peinlich, dass nur 13 Prozent aller Professoren Frauen sind und es unter den C4-Professuren nur 8 Prozent sind. Eine solche Ressourcenverschwendung könne sich nicht leisten, wer an die Spitze wolle. Das wollen wir doch aber in Hamburg. Oder haben Sie das nicht mehr vor? Verehrte Kolleginnen und Kollegen von CDU und GAL, wir hoffen sehr, dass von Ihnen noch etwas Konkreteres kommt als in diesem CDU-Antrag. Sie wissen: Für die Quote waren wir von der SPD schon immer und dazu stehen wir natürlich. – Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD und der LINKEN)

